Pressbericht Darmstädter Echo vom 28.1.2011Fluglärm und Radverkehr
erhitzen die Gemüter
( Bilder )
Podiumsdiskussion: Arheilger beklagen mangelnde Unterstützung und
„ignorierende Haltung“ der Stadt
Wie stehen die Arheilger Kandidaten für das Darmstädter Stadtparlament
zu Themen im Stadtteil? Darüber konnten sich die Gäste einer Podiumsdiskussion
am Mittwoch ein Bild machen. In den „Goldnen Löwen“ eingeladen hatte die
„Interessengemeinschaft Arheilger Bürger“, Rede und Antwort standen Hanno
Benz (SPD), Brigitte Lindscheid (Grüne), Wilhelm Kins (CDU), Ralf Arnemann
(FDP), Helmut Klett (Uwiga) und Stefan Nold (Linke). Als Schwerpunktthemen
hatte die IG Arheilger Bürger „Öffentlichen Personennahverkehr“, „Fahrradverkehr“
und „Fluglärm“ vorgegeben.
Dass die Arheilger im Saal den Fluglärm als zentrales Kriterium für die
Lebensqualität und Weiterentwicklung des Stadtteils betrachteten, war nicht
überraschend. Gabriele Lewin vom Förderkreis Fluglärmklage führte in das
Thema ein und berichtete, dass 2009 rund 27 Prozent aller Abflüge vom Frankfurter
Flughafen über den Darmstädter Norden geführt hätten. Nach einer Prognose
werde diese Zahl bis 2020 noch steigen und zu bestimmten Tageszeiten bis
zu 43 Prozent betragen.
Abhilfe schaffen könne nur eine Streuung der Abflugrouten. Der Stadt warf
Gabriele Lewin eine „abwartende, ignorierende Haltung“ und eine schlechte
Unterstützung der rund 33 000 vom Fluglärm betroffenen Bürger vor. Die Stadt
habe nur einen Fachmann für Fluglärm, so dass Darmstadt in entscheidenden
Gremien schlecht vertreten sei.
Wie „mehrheitskompatibel“ eine Auffächerung der Abflugrouten sei,
wollte Moderator Christoph Schäfer wissen. Eine Aufspreizung der Abflugrouten
sei einleuchtend, sagte Stefan Nold. Seine Partei habe den Bau der neuen
Landebahn immer abgelehnt. Als Maßnahme gegen den Fluglärm setze die FDP
vor allem auf den schnelleren Anstieg der Flugzeuge, sagte Ralf Arnemann.
„Die Handlungsoptionen einer Kommune sind begrenzt“, gab Hanno Benz zu.
Die SPD wolle eine gerechtere Verteilung des Lärms, habe aber festgestellt,
dass es eine teils „vehemente Ablehnung“ einer Aufspreizung im Darmstädter
Süden gebe.
Die Arheilger CDU sei für eine Streuung, sagte Wilhelm Kins. Durch
„modifizierte Abflugverfahren“ seien die Flugzeuge über Eberstadt bereits
sehr hoch. Brigitte Lindscheid betonte, dass sich ihre Partei gegen den
Ausbau des Flughafens gestellt habe. Der Ausbau habe massive Auswirkungen
für den Darmstädter Norden.
Damit die Lärmentwicklung für den Norden nicht katastrophal würde,
müsse sich Darmstadt „mehr auf die Hinterpfoten stellen.“ „Darmstadt braucht
kompetente Vertreter in der Fluglärmkommission“, forderte sie. Er sehe für
den Norden „keine andere Möglichkeit, als eine Aufstreuung der Flugrouten“,
erklärte Helmut Klett. „Die Stadt hat die Pflicht, etwas gegen den Fluglärm
zu tun“, sagte eine Bürgerin: „Von allen Parteien erwarte ich Solidarität.“
Ein weiteres Thema der Diskussion war der Öffentliche Personennahverkehr
in Arheilgen. Um diesen zu verbessern, fordere die Interessengemeinschaft
einen Ringbus durch Zusammenlegen der Linien A und AH, mehr Aufenthaltsqualität
am Arheilger Bahnhof und am Nordbahnhof, Unterstellmöglichkeiten an Haltestellen
und zusätzliche Fahrradständer.
„Alle Wünsche sind berechtigt“, sagte Helmut Klett. Doch selbst „Kleinigkeiten“
wie Unterstände und Fahrradständer kosteten viel Geld, so Benz. Für die
Situation an den Bahnhöfen sei die Bahn zuständig. Straßenbahnen und Busse
sind nur ökologisch, wenn Leute drinsitzen“, sagte Stefan Nold. Die „Linke“
trete deshalb für einen „Darmstadt-Pass“ für Geringverdiener und für ein
„Ein-Euro-Nacht-Ticket“ ein.
Dass es auf der Frankfurter Landstraße zu Konflikten zwischen Radfahrern,
Straßenbahn, Autofahrern und Fußgängern komme, berichtete Hartwig Richter
von der Interessengemeinschaft. Man empfehle deshalb den Bau einer „Fahrradstraße“
durch die Greinstraße, Schreiberpforte und den Erlich.
Das Projekt stieß auf geteiltes Echo. Skeptisch äußerte sich Ralf
Arnemann, der Einzelmaßnahmen vorschlug, um die Situation der Radfahrer
zu verbessern. Hanno Benz erklärte, eine innerörtliche Tempo-30-Reglung
sei eine Grundvoraussetzung um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
Weitere Themen, die die Arheilger bewegten, waren die Verkürzung der
Öffnungszeiten der Stadtteilbibliothek, fehlende Toiletten am Bahnhof, Anwohnerbeiträge
sowie ungeräumte Nebenstraßen.
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