Flughafenausbau
Darmstadt gehört zu den Verlierern
1. Erörterungstermin - Vor- und Nachteile sind
ungleich verteilt
Mitglieder des Förderkreises „Fluglärmklage“ nehmen seit September am
Erörterungstermin zum Flughafenausbau in Offenbach aktiv teil. Dabei wird immer
wieder deutlich, dass Vor- und Nachteile sehr ungleich verteilt sind. Die
Vorteile genießt fast ausschließlich Fraport, die Nachteile müssen die
umliegenden Kommunen (außer Frankfurt) und die im Umfeld der Flugrouten
wohnenden Bürger tragen. Die in der Vergangenheit kontinuierlich gestiegene
Verlärmung der nördlichen Darmstädter Stadtteile hat schon dazu geführt, dass
hier keine neuen Baugebiete mehr ausgewiesen werden können, da gesundes Wohnen
nicht mehr möglich ist. Der Rückgang des Fluglärms in letzter Zeit beruht auf
den ungewöhnlich lang andauernden Ostwetterlagen, bei denen die Flugzeuge nur
eingeschränkt die Startbahn West benutzen.
2. Nachtflugverbot - Konsequenzen ?
Im Fall eines Ausbaus wird tagsüber der Lärm so zunehmen, dass er weit über der
Zulässigkeit für Verkehrslärm in Wohngebieten liegt (bei Fluglärm gibt es aber
keine entsprechenden Gesetze). Eine Nachtflugbeschränkung, die keineswegs sicher
ist, soll laut Antrag für 23 bis 5 Uhr gelten, so dass in den restlichen zwei
Nachtstunden Flugverkehr ohne Limit stattfinden soll. Verteilen sich heute
durchschnittlich 15 Flüge auf die Zeit von 22-1 Uhr, sollen es nach Ausbau 22
Flüge von 22-23 Uhr sein. Der Darmstädter Norden mit seinen hochwertigen Wohn-
und Naherholungsgebieten liegt unter der am meisten genutzten Abflugroute und
damit nur wegen des Fluglärms in einer Nachteilszone. Die Bewohner haben die
gesundheitliche Beeinträchtigung, erhebliche Belästigungen und den Wertverlust
ihrer Immobilien zu verkraften.
3. Rund 4 Mrd. EUR zahlt der Steuerzahler dazu
Erhöhtes Sicherheitsrisiko durch die Nordwestbahn, Naturzerstörung,
Grundwasserbelastungen etc. — Fraport kennt die vielfältigen Nachteile für die
Region. Um davon abzulenken, wird wirtschaftliches Wachstum und das gigantisches
Ausmaß von 100 000 Arbeitsplätzen versprochen. Die Landesregierung hat sich
schnell dieses Argument zu eigen gemacht. Selbst die internationale
Interessenvertretung der Flughäfen lehnt eine solche Prognose ab. Inzwischen hat
auch Fraport die Zahl weit nach unten korrigiert. Verschiedene
Wirtschaftsgutachten kommen zu ganz anderen Aussagen: In der Region würden
aufgrund des Ausbaus auch viele qualifizierte Arbeitsplätze wegfallen (ca. 1000
allein bei Ticona) zu Gunsten von Niedriglohn-Jobs am Flughafen. Kommunen haben
geringere Steuereinnahmen. Die Bürger müssen für die Investitionen aufkommen,
die von Fraport nicht getragen werden (rd. 4 Mrd.). Durch die Ansiedlung von
Büros, Gewerbe und Einzelhandel am Flughafen wird die Konkurrenz für die
umliegenden Gemeinden zunehmen mit entsprechenden Folgen. Schon heute verdient
Fraport mehr in diesem Bereich als mit dem Flugverkehr.
4. Kaufkraft wächst unterdurchschnittlich in
Flughafennähe
1994 wurden 375.000 Flüge in Frankfurt abgefertigt. 2002 waren es 465.400. Die
Kaufkraft-Entwicklung von 1994-2002 war aber in Hessen trotz des steigenden
Flugverkehrs unter-durchschnittlich zu Gesamtdeutschland. Noch niedriger war sie
in Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Offenbach und Hochtaunus. Die
Wirtschaftskraft wächst nicht automatisch mit den Luftverkehrsanbindungen! Seit
1998 liegen die Rationalisierungserfolge am Flughafen bei 30%.
5. Umsteigeverkehr bringt der Region keinen
Gewinn
Der Ausbau ist nicht für die Menschen, die in der Region leben und arbeiten,
nötig. Vielmehr geht es Fraport und den Airlines darum, mit dem Wachstum des
Umsteigerverkehrs Geld zu verdienen.
6. Eine gerechte Bilanz am Ende des Verfahrens
???
Die Hoffnung, dass die Planfeststellungsbehörde in Wiesbaden eine gerechte
Bilanz zwischen den Nachteilen und dem Nutzen zieht, ist im Verlauf des
Erörterungstermins allerdings erschüttert worden.
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