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Bericht im Darmstädter Echo am 28.4.2007
Bürger bauen den Supermarkt
Stadtteilentwicklung: Bei der Planungswerkstatt
im „Goldenen Löwen“ sind Arheilger als Ideengeber für die Zentrumsgestaltung
gefragt – „Ich bin gespannt, was dabei herauskommt“
Gerhard Schäfer greift beherzt zum Stift. „Also, bau’n wir das Ding doch mal
so“, sagt der Mann von der Interessensgemeinschaft Arheilger Bürger und zeichnet
ein rotes Quadrat auf den Plan. Was wäre, wenn man die bestehende Heag-Halle in
den geplanten Supermarkt integriert? „Wir brauchen das Doppelte an Fläche“,
wirft jemand ein, nachdem Schäfer noch mehr rote Striche auf den Plan gemalt
hat. „Jaja, ich bin ja dabei.“
Dass es eine knifflige Angelegenheit ist, einen Supermarkt auf eine begrenzte
Fläche zu setzen, lernten rund zwanzig Arheilger am Freitagnachmittag bei der
Bürgerwerkstatt im „Goldenen Löwen“. Der Planungsbeirat zur Neugestaltung der
Frankfurter Landstraße und des Arheilger Zentrums richtete die mehrstündige
Veranstaltung aus. „Wir wollen diejenigen einbinden, die damit leben müssen“,
befand Baudezernent Dieter Wenzel einleitend. Schon seit einigen Jahren
leisteten Planungswerkstätten „gute Arbeit bei der Entwicklung von Ideen“.
Auf den Tischen für die einzelnen Gruppen sind jede Menge Pläne ausgebreitet,
daneben je eine Kiste mit Stiften, Kleber und kleinen Bauklötzen in den
Varianten 50 oder 100 Quadratmeter. Sie können in dem Modell des Platzes zu
einem Markt zusammengeklebt werden. „Ein Vollversorger bräuchte 1700
Quadratmeter Fläche“, erläutert Werner Hochrein vom Architekturbüro „Werkstadt“,
der die Veranstaltung für die Stadt koordiniert. „Ein Discounter braucht nur
1100.“
Doch letztere Variante kommt für die Arheilger Vertreter eher nicht in Frage.
„Wir wollen einen Vollversorger, der nicht preisaggressiv ist“, befindet Bernd
Wiegmann, als Vorsitzender des Gewerbevereins an der Planungswerkstatt
beteiligt. „Auch wollen wir gucken, inwiefern wir Einfluss auf das Sortiment
nehmen können.“ Der bestehende Einzelhandel im Stadtteil mit seinen 16 600
Einwohnern soll durch den neuen Markt auf dem von Heag-Halle und Goldenen Löwen
gesäumten Grundstück an der Hofgasse keinen Schaden nehmen.
„Wir wollen da keinen flachen Lidl oder Aldi“, betont auch Bürger Schäfer. „Der
Platz ist ein äußerst sensibler Bereich, er ist das Herzstück der Entwicklung
dieses Orts.“ Der Supermarkt müsse in die Umgebung passen. An die von Architekt
Hochrein vorgestellte Idee, den Markt mit der Stirnseite an die Untere
Mühlstraße zu bauen, will er nicht anknüpfen. „Es geht hier ja auch um
Alternativen“, sagt er. „Und zu verstehen, warum diese vielleicht nicht machbar
sind.“
Mit Hilfe von Vertretern der Stadt sind die Bürger in diesen Prozess
mittlerweile aktiv eingestiegen. Die alte Heag-Halle an der Frankfurter
Landstraße in den neuen Markt integrieren? „Einen Anbau müsste man mit einem
gewissen Abstand machen“, wirft der Mann von der Denkmalpflege ein. „Und wenn
man dazwischen so eine gläserne Fuge machen würde?“, gibt die Frau vom
Grünflächenamt zu bedenken? Kurz darauf malt Gerhard Schäfer eine solche in den
Plan – der Supermarkt der Bürger wächst weiter.
In der Realität dauert das freilich länger. Dieter Wenzel zufolge soll es Ende
des Jahres ein sogenanntes „konkurrierendes Gutachter-Verfahren“ mit Investoren
und Architekten geben, um eine städtebaulich verträgliche und realisierbare
Lösung zu entwickeln.
Die Ergebnisse und Ideen der Bürgerwerkstatt sollen in den Planungsprozess
einfließen. „Ich finde das sehr gut“, sagt Gerhard Schäfer. „Und bin gespannt,
was dabei herauskommt.“
Alexandra Welsch
28.4.2007
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