G. Schäfer, 21.01.2000
Warum ein ICE-Halt in Darmstadt?
Die Stadt Darmstadt strebt einen zusätzlichen Halt auf der
ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim an, die längs der Autobahn A5/A67 verlaufen
soll. Daher ist im Flächennutzungsplanentwurf eine Trasse für diese ICE-Linie
dargestellt, die von der Kläranlage im Norden über die Hauptbahnhofwestseite
weiter nach Süden (alternativ längs der Autobahn A 5 bzw. durch den Wald
nördlich der Eschollbrücker Straße zur Autobahn A 67) führt.
Ein Haltepunkt in
Darmstadt ist entbehrlich.
Das ICE-Netz soll im Verbund mit den Netzen in den
Nachbarländern hochwertige Fernverbindungen in Deutschland schaffen, u.a. auch
um den innerdeutschen/inner-europäischen Luftverkehr zu ersetzen. Um eine
optimale Reisezeit auch über größere Distanzen (München-Hamburg = 780 km,
Saarbrücken-Berlin = 740 km) zu erreichen, sind Höchstgeschwindigkeiten (250 -
280 km/h) angestrebt. Diese erfordern nicht nur geradlinige und steigungsarme
Trassen, sondern auch größere Abstände zwischen den Haltestellen. Der ICE
erreicht erst nach 20 km seine Höchstgeschwindigkeit. Ein zusätzlicher Halt auf
der ca. 70 km langen Strecke Frankfurt-Mannheim schwächt das System.
Das neue Konzept der Bundesbahn sieht eine dichte Folge
attraktiver ICE-Verbindungen zwischen acht Knotenpunkten in Deutschland vor
(vergleichbar dem HUB im Luftverkehr?!). Einer dieser Knotenpunkte wird
Frankfurt sein. Die Konsequenz ist, daß zwar Schienen der Neubaustrecke durch
Darmstadt führen, jedoch kaum ICE-Züge in Darmstadt halten würden (Niebergall:
Da fahren so viele Menschen an Darmstadt vorbei, die sonst nie an Darmstadt
vorbeigefahren wären). Was bringt ein ICE-Halt, wenn kaum ein Zug hält?
Statt eines ICE-Haltepunktes in Darmstadt müssen Darmstadt
und sein Umland über regionale Schnellverkehrsverbindungen besser an die so
nahe liegenden ICE-Bahnhöfe Frankfurt und Mannheim angebunden werden. Konkret
erfordert dies eine S-Bahnlinie im 10-Minutentakt zwischen Frankfurt und
Mannheim, eine Weiterführung der S-Bahn über Darmstadt-Ost in den Odenwald,
eine Weiterführung der S-Bahn über Ober-Roden hinaus bis Dieburg, eine
Verlängerung der S-Bahn ab Weinheim ins Weschnitztal. Kurze Reisezeiten mit der
S-Bahn und ein optimales ICE-Angebot in Frankfurt bzw. Mannheim sind besser als
ein dünner ICE-Halt Darmstadt. Auf diese Maßnahmen sollte Darmstadt Kraft und
Finanzmittel konzentrieren, da sie auch die regionale Bedeutung dieser Stadt
fördern.
Die im Flächennutzungsplanentwurf dargestellte ICE-Trasse
ist stadt- und uweltunverträglich. Die Trasse soll nördlich der Kläranlage
mitten durch den Weiterstädter Ostwald, der zugleich Arheilger Westwald ist,
führen. Dieses Waldgebiet wurde durch langjährige Grundwasserentnahmen schwer
geschädigt und seine Sanierung ist geboten und nach Reduzierung der
Wasserförderung nachhaltig sinnvoll. Südlich der Kläranlage soll die ICE-Trasse
parallel zur geplanten Verlängerung der B3-Umgehung verlaufen. Für beide
Trassen ist hier aber kein Platz, so daß die Weiterführung der B3-Umgehung bis
zur Rheinstraße durch das ICE-Vorhaben gefährdet ist. Die Trassenführung durch
die südlichen Waldgebiete ist ebenfalls abzulehnen, da die Erhaltung auch
dieser Waldbereiche für Darmstadt wichtig ist.